Blut-Hirn-Schranke - der Schlüssel zu mehr Verständnis


20.3.2008: ST. LOUIS (MedCon) - Ein internationales Team aus 14 Wissenschaftlern will die Erforschung der Blut-Hirn-Schranke vorantreiben. Nur so könnten Therapien für neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Alzheimer oder Schlaganfall entwickelt werden, lautet ihr Credo in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift The Lancet Neurology.

"Die Blut-Hirn-Schranke besteht aus Zellen, die das Gehirn vor Giften schützen und Nährstoffe passieren lassen. Da diese Zellen aber nicht zwischen Fremdsubstanzen, die zur Therapie von Erkrankungen bestimmt sind, und solchen, die dem Gehirn schaden, unterscheiden können, schließen sie alle unbekannten Stoffe aus", erklären die Wissenschaftler die besondere Bedeutung der Blut-Hirn-Schranke für die Behandlung neurologischer Erkrankungen. Es sei außerdem unmöglich, Erkrankungen des Gehirns verstehen und therapieren zu wollen, ohne den Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke zu verstehen.

"Die Blut-Hirn-Schranke ist keine Backsteinwand, sondern eine regulierende Schnittstelle zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers. Wir sollten das Gehirn als Insel betrachten, auf die alle Rohstoffe importiert werden müssen. Die Blut-Hirn-Schranke fungiert in diesem Fall als Transport- und Kommunikationsmedium, das die Insel mit dem Rest der Welt verbindet", schreiben die Wissenschaftler weiter.
Der Zusammenbruch dieses Kommunikationssystems könne Krankheiten wie Alzheimer, Schlaganfall und Multiple Sklerose beeinflussen, so die Forscher. Sie plädieren in ihrem Artikel deshalb für mehr Forschung, um die Interaktion der Blut-Hirn-Schranke mit Immunzellen besser zu verstehen. Außerdem fordern sie den stärkeren Einsatz gängiger und anerkannter Bildgebungsverfahren, um das Zusammenspiel von Blut-Hirn-Schranke und dem restlichen zentralen Nervensystems zu erforschen.

"Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, Institute und Labore müssen bei der Erforschung der Blut-Hirn-Schranke zusammenarbeiten, um Forschungsergebnisse vom Tiermodell auf klinische Studien an Patienten übertragen zu können", so das Plädoyer.
Quellen:
The Lancet Neurology 2008; 7. Pressemitteilung der Saint Louis University vom 17.12.2007